„Eine gute Demokratie braucht informierte Bürgerinnen und Bürger“

Am 3. und 4. November besuchte Hauptmann Malte Tautorat, einer von bundesweit 93 Jugendoffizieren der Bundeswehr, die Politik-Wirtschaft-Kurse von Frau Pompey und Frau Preuß. Er stellte den Schülerinnen und Schülern die Bundeswehr als Institution und ihre Rolle in der veränderten sicherheitspolitischen Lage vor.

Zu Beginn schilderte Hauptmann Tautorat seinen eigenen Weg zur Bundeswehr. 2011 besuchte er eine Realschule in Hannover und erhielt seinen Musterungsbescheid. Diesen habe er als völlig normal empfunden, schließlich hätten schon sein Vater und sein Großvater den Grundwehrdienst geleistet. Er folgte also der Einladung zur Musterung. Weil er nach dem Realschulabschluss auf ein Gymnasium wechselte und die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt wurde, hätte er eigentlich keinen Dienst mehr leisten müssen. Trotzdem wollte er die Bundeswehr kennenlernen. Sie gefiel ihm so gut, dass er sich für die Offizierslaufbahn verpflichtete. Inzwischen ist er seit 14 Jahren Soldat und hat außerdem Bildungs- und Erziehungswissenschaften studiert.

Zu Beginn seiner Laufbahn war er in der Grundausbildung eingesetzt. Er erläuterte deren Inhalte und machte eindringlich deutlich, dass sich nicht jede und jeder dafür eigne, denn der Dienst als Soldatin oder Soldat sei körperlich wie psychisch sehr fordernd. Auf seinem nächsten Dienstposten unterrichtete er Rekrutinnen und Rekruten in Staatsbürgerkunde und politischer Bildung. Daran und an sein Studium knüpfte er an, als er sich entschied, Jugendoffizier zu werden. So wollte er junge Bürgerinnen und Bürger über politische und sicherheitspolitische Fragen informieren, denn „eine gute Demokratie braucht informierte Bürgerinnen und Bürger“. Folgerichtig begann er seinen Vortrag mit Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Werde die freiheitliche demokratische Grundordnung von außen bedroht, müsse sich Deutschland verteidigen können. Dafür gebe es die Bundeswehr.

Der Hauptteil glich eher einem Gespräch als einem Vortrag. Die Schülerinnen und Schüler konnten jederzeit Fragen stellen und so den Verlauf mitgestalten. Hauptmann Tautorat legte die aktuelle sicherheitspolitische Lage dar. Ausgangspunkte waren der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, die Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, die Zweifel an der Verlässlichkeit der USA in der NATO wecken, und sein Vorgehen in der Grönland-Frage. Davon ausgehend sprach er über die neuen Herausforderungen und die „Zeitenwende“ in der Bundeswehr. Zu Beginn seiner Dienstzeit sei die Bundeswehr vor allem auf internationales Krisenmanagement ausgerichtet gewesen, etwa mit Einsätzen in Afghanistan, Mali und im Kosovo. Heute stehe die Landes- und Bündnisverteidigung im Mittelpunkt. Anhand von Karten, Zahlen und Fakten veranschaulichte er die gegenwärtige Sicherheitslage Deutschlands und der EU.

Die Bundeswehr diene auch der Abschreckung und trage so zur Sicherung des Friedens und zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und der EU bei. Aus seiner Sicht seien das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro und die Reform der Bundeswehr deshalb notwendig, um die Streitkräfte zukunftsfähig zu machen. Sei Deutschland gut aufgestellt und ausgerüstet, werde es weniger leicht Ziel eines Angriffs. Der Jugendoffizier zeigte transparent, wofür Mittel aus dem Sondervermögen bisher verwendet wurden. Er wies darauf hin, dass es sich um kreditfinanzierte Ausgaben handelt, die politisch so beschlossen wurden, denn über den Verteidigungshaushalt entscheidet der Bundestag. Darüber hinaus erläuterte er Deutschlands Verpflichtungen in EU und NATO und in diesem Zusammenhang die Besonderheit der Bundeswehr als Parlamentsarmee.

Im letzten Teil ging es um den neuen Wehrdienst. Auch hier legte der Jugendoffizier konkrete Zahlen vor und machte seine persönliche Haltung deutlich. Aufgrund seiner Erfahrungen in der Grundausbildung setze er auf Freiwilligkeit.

Persönliche Erlebnisse bereicherten den Vortrag, etwa aus seiner Zeit in Litauen. Anschaulich schilderte er die Dankbarkeit der litauischen Bevölkerung für die Unterstützung durch die Bundeswehr.

Die Schülerinnen und Schüler sowie die beiden Lehrkräfte zeigten sich mit der Veranstaltung sehr zufrieden. Hauptmann Tautorat hielt einen sachlichen, auf Daten und Fakten gestützten Vortrag über die sicherheitspolitischen Herausforderungen und die Rolle der Bundeswehr in Bündnissen. Dabei ging er auf jede Frage ein. Wir bedanken uns herzlich bei Hauptmann Tautorat für die Expertengespräche. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum schulischen Bildungsauftrag, denn „eine gute Demokratie braucht informierte Bürgerinnen und Bürger“.

Text und Foto: Martina Preuß